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Interview mit Bernd Louisoder

zum 20. Jahrestag der Gregor Louisoder Umweltstiftung

Bernd Louisoder, der Stiftungsgründer der Gregor Louisoder Umweltstiftung verrät uns in diesem Interview wie es überhaupt zur Gründung einer Umweltstiftung kam und warum sie so heißt, wie sie heißt. Außerdem erfahren wir wie eine Stiftungsgründung abläuft und werfen einen Blick auf Projekte, die ihm besonders gut im Gedächtnis geblieben sind.

Herr Louisoder, Sie haben 1995 die Gregor Louisoder Umweltstiftung gegründet. Bitte, wie kommt man den überhaupt auf den Gedanken eine Stiftung im Umweltbereich zu gründen?

Warum keine Kulturstiftung oder eine Familienstiftung für die Nachgeborenen?Kultur ist für den Menschen genauso wichtig wie Natur, das erinnert mich an die Nachkriegszeit, wo in Dachwohnungen kleine Theater entstanden und Konzerte und Theater in Behelfsbauten überfüllt waren und meine Eltern jedes Radiokonzert begierig erwarteten. Doch ohne einigermaßen intakte Natur kann der Mensch und damit jede Form von Kultur nicht überleben.

Neues entsteht nur aus dem Gefühl des Unbehagens, dass man das, was um einen herum besteht oder passiert nicht als gut oder einigermaßen erträglich empfindet. Man möchte etwas verbessern. So entstehen Erfindungen. Es heißt ja nicht umsonst Not mache erfinderisch. Das Gefühl des Sattseins braucht nichts Neues.

Schon vor zig Jahren habe ich gedacht, dass mit den Schätzen der Natur nicht vorsichtig genug umgegangen wird. Und ich erinnere mich an die Worte einer Freundin vor einigen Jahren, die mir sagte: „Du bist uns doch schon vor 40 Jahren mit deinem Umweltgerede auf die Nerven gegangen!“

Das freut mich heute richtig, denn wie man sieht, war das früher schon nötig, auch wenn mein Gerede nicht viel genützt hatte. Aber immerhin ist dadurch in mir der Impuls gewachsen, dass hier noch viel zu tun ist.

Heute braucht die Natur, und damit unsere gesamte Umwelt, starke Fürsprecher und Verteidiger gegen ihre Missachtung und Ausbeutung. Hoimar von Dittfurth hat vor über zwanzig Jahren einmal gesagt, wir behandelten die Erde wie ein Pilot, der im Fluge irgendwelche Drähte aus der Armatur herausreißt, ohne zu wissen, welche Folgen dies Treiben hat. Das Schlimme ist, dass wir heute die Gefahren kennen und dennoch weitermachen wie bisher. Es wird geredet aber nicht gehandelt, aber dies „mit Augenmaß“.

Sie haben die Stiftung nach Ihrem Vater benannt. Als Außenstehender vermutet man daher, dass es sich bei der Person Gregor Louisoder um einen sehr naturverbundenen Menschen gehandelt hat.

Meine Beziehung zur Umwelt habe ich intuitiv von meinem Vater übernommen, der mit uns oft in die Berge ging und uns dabei auf die Schönheit der Natur aufmerksam gemacht hat. 

Wie darf man sich so eine Stiftungsgründung eigentlich vorstellen? Ist sie kompliziert?

In seiner zweiten Frau Martha, habe ich eine Verbündete gefunden, die es ermöglichte die Stiftung zu gründen, die logischerweise den Namen meines Vaters trägt. Ich bin sehr froh, dass meine Stiefmutter und ich die Stiftung gründen konnten, für die sie ihr Vermögen zur Verfügung gestellt hat. Darüber bin ich sehr dankbar. 

Den Rest erledigt man im Prinzip mit einem Gang zum Notar und etwas Papierkram. Eine Stiftung zu gründen ist nicht sehr schwierig, wenn die Finanzierung steht und man mit der zuständigen Aufsichtsbehörde lange genug über die Satzung gesprochen hat.

Zu einer Stiftung kommt man also relativ schnell. Aber wenn man dann eine Stiftung wie die Gregor Louisoder Umweltstiftung gegründet hat, wird einem da nicht nach einiger Zeit bewusst, welch zahlreiche Aufgaben und Verpflichtungen das am Ende doch mit sich bringt?

Bis ins Jahr 2000 habe ich die Stiftung selbst als Vorstand geführt. Doch mit zunehmendem Umfang ging das irgendwann nicht mehr. Ich bin daher sehr dankbar, dass wir damals in Herrn Obermeier einen hervorragenden geschäftsführenden Vorstand gefunden haben, der immer wieder neue Ideen eingebracht und umgesetzt hat und sich ganz den Zielen der Stiftung widmet und diese auch nach außen vehement vertritt.

Seit 2008 steht Frau Grimm ihm als Assistentin aktiv in der Geschäftsstelle zur Seite. Frau Jäger und Frau Miller unterstützen uns seit 2013 als fachspezifisch tätige Mitarbeiter im Bereich Wildtiermanagement u.a. für unser Projekt Bayern wild. Dazu kommt noch Herr Abstreiter, der sich seit Januar diesen Jahres um IT und Online-Kommunikation kümmert.

Nicht zuletzt haben wir mit meiner Frau, Frau Wiegand-Nehab, Frau Frömmel und Herrn Dieter Wieland auch sehr rege Stiftungsräte, die sich voll und ganz einbringen. Sie alle verdienen große Anerkennung.

Die Gregor Louisoder Umweltstiftung ist in erster Linie eine fördernde Stiftung. Wenn Sie den Zeitraum vom 1995 bis 2015 rückblickend betrachten, welche besonderen Projekte und Ereignisse fallen ihnen da ein.

Aktuell fällt mir dazu unser Projekt Bayern wild ein. In welchem wir die dringend benötigte Aufklärungsarbeit zur Rückkehr von Wolf, Luchs und Bär in Zusammenarbeit mit dem WWF leisten.

In den letzten Jahren war natürlich auch die Verhinderung des weiteren Donauausbaus ein sehr umfangreiches Projekt, das zum Glück sehr erfolgreich verlaufen ist. Zusammen mit zahlreichen Akteuren vor Ort, konnte die bayerische Staatsregierung davon überzeugt werden nur einen Minimalausbau zu befürworten.

Ein über die Jahre hinweg großes Thema in der Stiftungsarbeit war und ist auch in Zukunft eine naturverträgliche Landwirtschaft zu fördern und hierfür wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten. Unsere Unterrichtsmappe Landwirtschaft konkret setzt mit zahlreichen Unterlagen für Lehrer, dem Einfluss von Agrokonzernen in Schulen unsere Sicht auf die Dinge entgegen.

Obwohl es in unserer unmittelbaren Umgebung so viel im Bereich Naturschutz zu tun gibt, haben wir in den vergangenen Jahren aber auch immer überregionale Projekte unterstützt. In diesem Zusammenhang ist mir in Zusammenarbeit mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt noch die Aktion zur Rettung der Saiga-Antilopen gut im Gedächtnis geblieben. Oder auch die Umsiedlung von Nashörnern in Afrika, um sie vor Wilderei zu schützen.

Stiftungen sind ja prinzipiell für die Ewigkeit gemacht, wenn man das so hochtrabend formulieren darf. Und wenn man sich die globale Situation ansieht, ist auch nicht davon auszugehen, dass die Arbeit im Umwelt- und Naturschutz in den nächsten Jahren ausgeht. Wie will die Gregor Louisoder Umweltstiftung dem begegnen?

Mein Wunsch ist, dass die Stiftung auch in den nächsten hundert Jahren gegen die Plünderung und Zerstörung der Natur, als unserer Lebensgrundlage, so aktiv sein kann wie jetzt, auch wenn sie dann von anderen Menschen mit anderen Problemen geführt wird. Denn ich befürchte, dass die Stiftung sich immer gegen den Ausbeutungswahn der Mächtigen stellen muss unter dem Hinweis: Umweltschutz ist Menschenschutz auf Dauer.

Vielen Dank für das Gespräch