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Hintergrund Wildnisschutz

Onlineportal "Wissen-Nationalpark"

Mit dem Online-Portal „Wissen Nationalpark“ stellen EUROPARC Deutschland e.V. und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt künftig leicht zugängliche und verständliche Informationen zu wichtigen Nationalpark-Themen wie Nutzung, Wildnis oder Tourismus bereit. Die Plattform richtet sich an interessierte Bürger, lokale Akteure und Fördervereine, die sich über Nationalparks und Nationale Naturlandschaften informieren wollen. „Gerade bei Diskussionen um neu auszuweisende Nationalparks werden vor Ort häufig Fehlinformationen verbreitet“, berichtet Karl Friedrich Sinner, ehemaliger Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald und Mitglied des Autorenteams. Dies habe zu großen Unsicherheiten geführt. Wer sich genauer – und vor allem verlässlich – informieren wollte, musste aufwändig recherchieren.  „Mit ‚Wissen Nationalpark’ gibt es jetzt ein zentrales Portal mit verlässlichen Grundinformationen und weiterführenden Hinweisen“, so Sinner. Für Dr. Christof Schenck, Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), leistet das Portal einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der Wildnisdebatte: „Ist in Deutschland ein neuer Nationalpark geplant, findet sich schnell eine Opposition. Wird der Nationalpark dann eröffnet, erleben diese Gebiete meist breite Zustimmung. ‚Wissen Nationalpark’ hilft dabei, Wildnis auch als Chance zu begreifen.“Aus der „Wissensbasis“ lassen sich Übersichtsartikel und Praxisbeispiele abrufen. Weiterführende Hinweise werden in der „Quellensammlung“ bereitgestellt, in der Publikationen und Links zu den Themen der Wissensbasis aufgelistet sind. Besonders bedienungsfreundlich sind die Kurzbeschreibungen der Quellen und die verschiedenen Suchfunktionen. Die Nationalparks erhalten mit dem Portal die Möglichkeit, erfolgreiche und innovative Projekte vorzustellen. So werden im Bereich „Erfolge und Anregungen“ gelungene Umsetzungen in verschiedenen Bereichen wie Naturschutz, Bildung oder Tourismus präsentiert, die positive Effekte in der Region bewirken und wertvolle Anregungen weit über diese hinaus geben können. Das Online-Portal ist unter der Adresse www.wissen-nationalpark.de  zu erreichen.

Wildnisschutzsystem in den USA

Wildnisschutzsystem in den USA

Mit der Unterzeichnung des „Wilderness Act“ vor gut 50 Jahren durch Präsident Lyndon B. Johnson stellte der amerikanische Kongress als erste Regierung der Welt Wildnis unter Schutz. An diesem Tag kamen 52 Naturgebiete unter die Obhut des neu geschaffenen Bundesgesetzes und wurden gleichzeitig für die Öffentlichkeit zur besonderen Nutzung freigegeben. Inzwischen gibt es in USA 762 dieser „Wilderness Areas“. (Siehe PDF-Broschüre Wild America – Wildes Deutschland?)

Wildnisschutz in Deutschland

Natur schützen – für die Menschen, für die Geld, Ertrag und Besitz nicht alles ist. Für Tiere und Pflanzen. Für kommende Generationen. Das ist die Idee von Wildnisschutz. Es gibt mehr Raum bei uns dafür, als Sie denken. Platz genug ist nicht nur in bestehenden Nationalparks und neuen Schutzgebieten – es gibt viele Vorschläge, der Natur wieder mehr Raum zu geben. (Siehe PDF-Broschüre Wild America – Wildes Deutschland?)

Aktiv gegen Wildnisschutz: Die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR)

Aktiv gegen Wildnisschutz

Die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) arbeitet mit einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit gegen die Umsetzung der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung und der Naturschutzverbände. Insbesondere die dort vorgesehene Ausweisung von Wildnisschutzgebieten im Staatswald und neue Nationalparke sollen mit einer aggressiven Pressearbeit verhindert werden. So wird dort zum Beispiel der Eindruck erweckt, Wildnisschutzgebiete seien ein Problem für die Klimaschutzbilanz, die Naturschutzziele seien bereits erreicht und neue Nationalparks seien eine Gefahr für die lokale Holzwirtschaft. 

Mitglieder: In der AGR haben sich 23 Firmen und Verbände zusammengeschlossen. Ihnen gemein ist der mittelbare und unmittelbare Verbrauch von Rohholz (Forstunternehmen, Sägewerk, Papierproduktion).  Die AGR ist der Interessensvertreter und das Sprachrohr der Mitglieder zu Medien, Wirtschaft, Politik, Forschung und Lehre. Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen für die Verwendung von Holz sollen verbessert werden. Mitglieder: Artic Paper, Deutscher Forstunternehmer-Verband e.V., Deutsche Säge- und Holzindustrie, Gebr. Eigelshoven KG (Sägewerk), Haas Fertigbau GmbH, Holzindustrie Templin GmbH, Holzwerk Behringen GmbH, Holzwerke Pröbstl GmbH, Lenzing AG (Cellulose), Mayr Melnhofer GmbH (Karton), Norske Skog Waldum GmbH (Papier), Papierholz Uastria G.m.g.H., Rettenmeier Holding AG (Holzhandlung), Sapin S.a. (Papier), Sappi Ehingen GmbH, Stora Enso Deutschland GmbH (Forstindustrie), Thosca Holz GmbH, UPM-Kammene GmbH und Co. KG, Verband der Deutschen Säge- und Holzindustrie, Verband Deutscher Papierfabriken, Zellstoff Stendal, Zellstoff Rosenthal.

Sponsoren: Deutscher Forstunternehmer-Verband e.V., Deutsche Säge- und Holzindustrie,  NavLog GmbH

Kampagnenpartner: Holz pro Klima  (Initiative des Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V.)

Ziele

  • Einsatz für ein regelmäßiges Monitoring des Rohholzaufkommens über die Bundeswaldinventur, der nachhaltig nutzbaren Holzpotenziale und des Holzverbrauchs
  • Sicherung und Verbesserung der Holzbereitstellung durch eine Optimierung der Logistik entlang der Wertschöpfungskette Forst- und Holz
  • Minimierung und Verhinderung weiterer Nutzungseinschränkungen auf forstwirtschaftlichen Flächen
  • Förderung der Mobilisierung von Nutzungsreserven
  • Erhalt eines angemessenen Nadelholzanteils in den deutschen Wäldern zur Deckung des künftigen Bedarfs an heimischen Nadelholzprodukten
  • Einsatz für forstliche und Strukturen zur Sicherung der Rohstoffverfügbarkeit
  • Aktive Einflussnahme in Prozessen zur Gestaltung von Gesetzen und Normen
  • Einsatz für eine Kaskadennutzung von Holz - erst stoffliche Verwertung und anschließend thermische Verwertung
  • Öffentlichkeitsarbeit insbesondere zur Darstellung der volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft  

 

 

Im Nationalpark Bayerischer Wald und anderen Schutzgebieten sind in den letzten Jahren in zunehmendem Maße große Waldflächen durch Borkenkäferbefall verändert worden. Alte Fichtenreinbestände wurden durch Windwürfe eliminiert oder vom Borkenkäfer befallen. Anstelle von  Fichtenreinbestände gleichen Alters entstanden so echte Naturwälder. Dies wurde in der Öffentlichkeit besonders wegen der auffälligen Bilder sterbender Fichten in der Übergangszeit kontrovers diskutiert.

Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hatte deshalb bereits im Jahr 1998 internationale Wissenschaftler in ein Expertengremium einberufen. Dem Gremium gehörten Waldschutz- und Waldvegetationsexperten aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Schweden und der Schweiz sowie Vertreter der internationalen Naturschutzunion (IUCN) und des World Wide Fund for Nature (WWF) an. Die Ergebnisse zeigen, dass auch eine derartige großflächiges Naturphänomen weder zu einer dauerhaften Entwaldung noch zu sonstigen Problemen mit den Schutzzielen führt.

LWF: Borkenkäferproblematik im Nationalpark Bayerischer Wald - Ergebnis des internationalen Expertengremiums

Gibt es in Wildnisgebieten Fichtenwälder oder werden sie vom Borkenkäfer "aufgefressen"?

Bei dieser Debatte werden verschiedene Ausgangssituationen vermischt, was die Diskussion zusätzlich verwirrt. Außerhalb weniger Extremstandorte (Hochlagen der Mittelgebirge und Hochgebirge) sind Fichten meistens zur Holzproduktion gepflanzt oder ihr Anteil wurde durch andere Faktoren (Wildverbiss von Laubbaumarten) stark erhöht. Grossflächige Fichtenreinbestände gab es ausserhalb von Wirtschaftswäldern nicht, und sie werden auch in Wildniszonen nicht entstehen.

In extremen Hochlagen wie den Kammlagen des Bayerischen Waldes gab es auch natürliche Wälder mit sehr hohem Fichtenanteil. Allerdings ist die Datenlage hier meistens unzureichend, und es gibt nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen zur langfristigen Entwicklung derartiger Wälder ohne menschliche Eingriffe.  Grundsätzlich wurden auch diese Bereiche meistens intensiv zur Nadelholzproduktion genutzt und sind nicht mit Bergfichten-Urwäldern vergleichbar. Auch nach dem Zusammenbruch des forstlich genutzten bzw. veränderten Fichtenwaldes entsteht hier nach bisherigem Forschungsstand Wald mit hohem Fichtenanteil. Er ist aber nicht mit dem vorher zur Holzproduktion genutzten Fichtenforsten vergleichbar. Hierzu gibt es im Nationalpark Bayerischer Wald umfangreiche Forschungsprojekte, die die Veränderungen seit der Ausweisung im Jahr 1970 umfassend dokumentieren und insbesondere die Themenkomplexe "Verjüngung nach Borkenkäferbefall", "Windwürfe" und "Baumartenspektrum und Altersstruktur in der Wildnisentwicklung" umfassend untersuchen.

Nationalpark Bayerischer Wald: Wissenschaftliche Untersuchungen

Unter dem Begriff „Biologische Vielfalt" oder „Biodiversität" werden zusammengefasst: Die Vielfalt der Lebensräume,  die Vielfalt der wildlebenden Arten und ihre genetische Vielfalt sowie die Nutztiere, Haustiere und Kulturpflanzen samt ihren Rassen bzw. Sorten.

Der Verlust von Biodiversität ist vielfach irreversibel. Ihr Schutz ist daher zentrales Anliegen vieler internationaler Vereinbarungen (Berner Konvention, Bonner Konvention, Washingtoner Arten-schutzübereinkommen, FFH-Richtlinie, Vogelschutz-Richtlinie, Konvention zur Biologischen Vielfalt). Das 1992 in Rio de Janeiro beschlossene Übereinkommen über die biologische Vielfalt stellt die Biodiversität als Schlüsselfrage für eine nachhaltige Entwicklung in den umfassenderen Rahmen der Nachhaltigkeit. Es verdeutlicht, dass Schutz und Erhalt der Biodiversität nicht allein durch isolierte Naturschutzmaßnahmen erreicht werden können. Vielmehr spielen hierbei auch die nachhaltige Nutzung wildlebender und gezüchteter Arten sowie deren genetische Vielfalt und die Zugangsmöglichkeiten zu den genetischen Ressourcen der Welt eine entscheidende Rolle. Dieser „Dreiklang" von Schutz, Nutzungsgerechtigkeit und wirtschaftlicher Bedeutung macht deutlich, dass es beim Schutz der Biodiversität um weit mehr als Naturschutz geht, nämlich um Lebensqualität und die Bewahrung der Lebensgrundlagen künftiger Generationen.

(Quelle: Naturschutzstrategie BW 2013)

"Prozessschutzgebiete sind Bannwälder und Kernzonen von bestehenden und geplanten Großschutzgebieten. Für Bannwaldflächen und Kernzonen sollte eine Mindestgröße von 100 Hektar angestrebt werden, um Randlinieneffekte zu minimieren. Bannwälder sollen gezielt zur Umsetzung des Naturschutzziels Prozessschutz beitragen und damit das Vorkommen von Urwaldreliktarten fördern. Gleichzeitig sind Prozessschutzgebiete wichtige Orte der Forschung und Umweltbildung. Dauerhaft gesicherte Prozessschutzflächen in Form von Bannwäldern, Großschutzgebiets-Kernzonen sowie Waldrefugien und Habitatbaumgruppen sollen bis 2020 mindestens 10 % der Staatswaldfläche ausmachen, davon mindestens 3 % in Form von Bann-wald- und Kernzonenflächen".

(Quelle: Naturschutzstrategie BW 2013)